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Texto original en español en  mundospropios.com

Erzählung von Ricardo Gálvez

Ich erinnere mich, dass ich bei meiner Ausreise aus El Salvador nach Guatemala praktisch nichts mitgenommen hatte. Dieses Gefühl von Leichtigkeit war der Beginn eines inneren Befreiungsprozesses, genauer gesagt, ein Verlassen eines Lebens in Einsamkeit ohne Sinn. Dieses Leben, das ungefähr so wie ein makabres Rad verläuft, bei dem sich Elend und Tod, Tod und Elend, wiederholen, und so Jahr um Jahr. Ich trug eine dunkle Brille, um unter anderen einen sehr starken Schlag in mein linkes Auge zu verbergen, das Haar war wirr und die Lippen ausgetrocknet. Vielleicht war es Angst, ich weiß es nicht.

Im „Puerto Bus“, einem Bus-Terminal, das genau diesen Namen trug, begann eine neue Etappe in meinem Leben. Ich verbrachte eine Weile an der Bar, die sich im selben Komplex des Terminals befand. Es war eine ärmliche Umgebung. Ein paar Typen spielten eine Partie Billard und die Bedienung verfolgte aufmerksam eine Telenovela. Ich beendete den Drink, den man mir serviert hatte, um mich in die Schlange des Buseinstiegs einzureihen. So gegen 11 Uhr verließ ich die Station in einem dieser großen Busse, die immer meine große Leidenschaft gewesen waren, als ich noch ein Kind war, und die zwischen San Salvador und Guatemala City pendeln. In dieser Zeit rauchte ich viel, und ich sollte sehr wegen der Abstinenz des Nikotins in meinem Körper leiden. Bedingt durch die langen Strecken, die der Bus zwischen den Stationen absolvierte, konnte ich mir nicht aller 20 Minuten die Dosis einer Zigarette gönnen, da es auch verboten war, drinnen zu rauchen. Die einzige Chance war, die kleine Pause an den Haltestellen zu nutzen. An der Grenze bemerkte man meine Anwesenheit kaum. Überall Gesichter, Verkäuferinnen von Essen und Geldwechsler. Und Betrüger, natürlich.

Als ich in Guatemala City ankam, war das Ambiente das gleiche, das man generell in irgendeiner Autobus-Station in Mittelamerika finden kann. Menschen, die es eilig haben. Menschen, die ihre Habseligkeiten überprüfen, während wir aussteigen und die Wechsler, die uns hastig umringen. Die monotonen Gesänge von Verkäufern rund um die Station, und die Taxifahrer mit ihren misstrauischen Gesichtern in der Hoffnung, eine gute Partie zu finden. Die trübe Atmosphäre durch die Ungewissheit, und ein Geruch nach Urin, der vom sich bereits erwärmenden Asphalt aufsteigt. Kurz, das Leben und sein Treiben. Das Leben mitten im Elend ums Überleben kämpfend. Ich suchte in der Nähe der Station ein Motel oder so etwas in der Art, wo ich die Nacht verbringen konnte, da ich schon am folgenden Tag nach einem anderen Punkte des Landes aufbrechen sollte. Der Terminal befand sich in der Zone 4. Ich begab mich einige hundert Meter weiter in Richtung der benachbarten Zone 9, wo ich ein zwielichtiges Hotel vom Typ Seelenverkäufer fand. Es war ein vierstöckiges Gebäude, in dem ein Chinese mit Chapín-Akzent (Bez. in Lateinamerika f. Guatemalteke, A.d.Ü.) an der Rezeption arbeitete. Er bat mich um einige Daten und mein Geld und übergab mir einen Schlüssel, der die Tür zum Zimmer öffnen und schließen sollte. Ich stieg hinauf, um zu duschen und danach wieder auf die Straße zurückzukehren, um mir eine neue Telefonnummer zu besorgen. Danach versuchte ich, einen Freund zu erreichen, der in einem Dorf in der Nähe eines Hafens am Atlantischen Ozeans arbeitete. Und so verging der Tag, mal hierhin, mal dorthin. Danach kehrte ich in mein Hotel zurück.

Ich war müde. Ich hatte die Nacht wach und die Hälfte des nächsten Tages nur im Bus unterwegs und danach ziellos umherwandernd verbracht. Mir war keine Zeit geblieben, mich zu setzen und über meine aktuelle Situation nachzudenken, da alles sehr schnell gegangen war. Meine Flucht, obschon auch gewollt, war nichts, was ich geplant hatte. Inzwischen war es zehn Uhr nachts. Es war dunkel geworden und der Lärm der Verkäufer draußen hatte abgenommen. Ich beschloss, auf einen Drink auszugehen. Im Foyer des Hotels bat ich einen Angestellten, meinen Notizblock und ein paar Hemden aufzubewahren, die ich in einem Plastebeutel bei mir trug. Er meinte, ich könnte die Sachen ohne Bedenken in meinem Zimmer lassen, worauf ich erwiderte, dass ich schon unten war, und wieder hinaufzugehen wäre ich zu faul. Ich ging hinaus. Die Luft war frisch und umspülte meinen Kopf. Mir gefiel dieses Gefühl. Und es gefällt mir noch immer. Ich lief in Richtung der Station, da ich schon auf dem Weg zum Hotel einige Bars in der Zone wahrgenommen hatte. Und so drang ich leichtsinnig bis in die Nähe des anderen größeren Terminals der Zone 4 vor, wo die Leute sagen, hier erschrickt man, und nicht etwa vor den Toten. Ich hatte so um die dreihundert Dollar in den Taschen und das Gefühl, mit Opfergesicht durch eine rote Zone zu laufen. Ich merkte es jetzt, genau jetzt, als einige Typen, die bei einer Bruchbude versammelt waren, ihre Blicke auf mich richteten, und sich zu bewegen begannen, langsam, sehr langsam, aber sich zu bewegen. Ich lief jetzt zwischen einigen Verkaufsständen, fast im Dunkeln, während etwas Kaltes sich in einer meiner Hände ausstreckte. Ich entschied, die Führung zu übernehmen. Alles passierte innerhalb eines Moments. Später kehrte ich rennend in mein Hotel zurück, um meine Sachen zu holen. Ich hatte Blut am Hemd und in den Schuhen. Ich suchte meinen Körper ab, das Blut war nicht von mir. Rasch reinigte ich mir die Hände und verließ den Ort. In dieser Nacht rannte ich erschrocken wie der Teufel vor dem Weihwasser. Ich lief zwischen Menschen hindurch, die mich ansahen, aber niemand wollte etwas zu tun haben mit einem Typen mit so einer Visage und dem Tod in seinen Händen. Ich erwachte in der Station von LITEGUA und bestieg einen Autobus bis zu diesem Dörfchen, in dem mein Freund arbeitete.

Übersetzung: Karen Gajda